Wirtschaftsförderung, Tourist-Info bzw. Kleve Marketing wurden zusammengelegt und haben im Rathaus ihre neuen Räumlichkeiten bezogen. Im Gespräch mit Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing werden die Synergieffekte deutlich.

Frau Bürgermeisterin, die beiden städtischen Gesellschaften Kleve Marketing und Wirtschaftsförderung wurden zusammengeführt. Welche Synergieeffekte hat man sich davon versprochen?

Die Vermarktung der Stadt Kleve umfasst immer auch den Bereich Wirtschaft, insofern habe ich diese Zusammenlegung immer befürwortet. Daraus ergeben sich zahlreiche Synergieeffekte, zum Beispiel im Bereich des Einzelhandels und der Gastronomie. Dass der Zusammenschluss auch finanzielle Einsparungen ermöglicht hat, ist ein weiterer Pluspunkt. Kleve hat 2016 mit einem Plus von 4,8 Millionen Euro abgeschlossen, für 2017 wird ein noch besseren Ergebnis erwartet. Das kommt nicht von ungefähr. Wir haben alles auf den Prüfstand gestellt.

Die WTM ist jetzt bei Ihnen im Rathaus untergebracht. Macht sich das schon bemerkbar?

Natürlich. Die Wege sind kurz, es findet nun ein intensiverer Austausch statt. Es ist ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden, die interne Kommunikation läuft deutlich besser. Und auch die Tourist-Info wird nun stärker wahrgenommen.

Warum braucht Kleve eine Wirtschaftsförderung?

Eine aktive Wirtschaftsförderung trägt zu finanziellen Einnahmen durch Gewerbesteuer und Arbeitsplatzeffekte bei. Allein im letzten Jahr sind rund 1.000 Arbeitsplätze in Kleve entstanden. Dass die Anzahl der Einwohner weiter steigt, ist auch ein Zeichen für eine gut funktionierende Wirtschaft.
Haben sich die Marketinginstrumente mit der Zeit verändert? Muss sich die Stadt heute anders darstellen?

Das Netzwerken hat heute eine höhere Bedeutung. Es wird auf vielen Ebenen viel intensiver miteinander gearbeitet. Stadtmarketing hört mehr denn je nicht an der Stadtgrenze auf. Wir sind Teil des Niederrheins und Teil der Metropolregion Rheinland. Dadurch stehen uns andere Mittel zur Verfügung, um uns „nur” als Stadt zu positionieren.

Das sieht man vor allen Dingen beim Tourismus, oder?

Richtig! In der Zusammenarbeit mit anderen Kommunen und Kreisen können wir die Attraktivität in der Region verbessern und unser Profil schärfen. Der Radschnellweg Kleve/Kranenburg ist beispielsweise ein absoluter Gewinn für Kleve. Die Region ist bekannt für ihren Freizeit- und Erholungswert. Und dazu gehört auch Radfahren. Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen.

Und die Kunst! Kleve profitiert vom Kunst-Tourismus…

… und das ist gut so. Wir haben bedeutende Museen wie das Museum Kurhaus Kleve oder das B. C. Koekkoek. Die Kunst ist ein Besuchermagnet und erster Berührungspunkt für Auswärtige mit unserer Stadt. Und dann, nicht überraschend, sind sie auch begeistert von Kleve in Gänze.

Die Hochschule Rhein-Waal ist auch ein Aushängeschild. Wann waren Sie zuletzt da?

Die Hochschulgremien und der Verwaltungsvorstand treffen sich eigentlich regelmäßig. Die Hochschule hat entscheidend dazu beigetragen, dass Kleve zuletzt stark gewachsen und eine Aufbruchstimmung spürbar ist. Die Stadt ist lebendiger und bunter geworden. Und die Wirtschaft kann hier Fachkräfte rekrutieren und in Kooperation mit der Hochschule Neuentwicklungen vorantreiben.

Müsste man die Zusammenarbeit nicht noch weiter intensivieren?

Ein Technologietransferzentrum oder besser ein Innovationszentrum als Ort für neue Ideen, Forschung, Start-ups und Klever Firmen, um Kleve weiter voranzubringen, ist gemeinsamer Plan der Stadt, Hochschule, IHK und der Gesellschafter der TZK GmbH. Dabei soll das Ideenpotenzial der Bürger mit einbezogen werden. Begegnung, Kreativität – alle sollen sich einbringen. Genial! Ich freue mich auf weitere Gespräche.

Was braucht Kleve, um wirtschaftlich weiter zu wachsen?

Wir müssen unsere Infrastruktur verbessern. Kleve braucht die „B220 neu” sowie flächendeckendes Glasfaser. Erste Gespräche mit der Straßengemeinschaft Emmericher Straße haben bereits stattgefunden. Wir legen großen Wert darauf, die Bürgerschaft im Vorfeld der Planungen mit einzubeziehen. Auch eine Bahnverbindung Nimwegen – Kleve wäre zukunftsweisend. Dafür macht sich auch das Nachbarland stark. Wir wollen im nächsten Schritt unter Moderation des Landrats Herrn Spreen und der Euregio Herrn Kamps Gespräche mit den Anrainerkommunen, der Provinzie Gelderland und dem VRR führen.

Als Grenzregion ist aber nicht nur eine Zugverbindung nach Nimwegen wichtig…

… die Zusammenarbeit mit den Niederlanden wird weiter intensiviert. Wir waren zuletzt mit dem Integrationsrat in Nimwegen, Jobcenter und Wirtschaftsförderung kooperieren mit Institutionen und Unternehmen des Nachbarlandes.

Wer wachsen will, darf auch die Digitalisierung nicht außer Acht lassen. Wie weit ist Kleve?

Was die Stadtverwaltung und Politik angeht, werden wir zunehmend digitaler. Die Ratsmitglieder wurden zuletzt mit iPads ausgerüstet. Der Weg zum papierlosen Büro macht Fortschritte. Das digitale Ratsinformationssystem der Stadt Kleve macht die Arbeit der politischen Gremien für Bürgerinnen und Bürger noch transparenter und nachvollziehbar.

Wird die Digitalisierung die Innenstadt Kleves verändern?

Der Online-Handel hat an Bedeutung gewonnen. Auch der stationäre Einzelhandel stellt sich darauf ein. Es gibt Städte, wo die Anzahl der Einzelhändler spürbar zurückgeht. Was Kleve betrifft, arbeiten wir aktiv an der Attraktivierung der Innenstadt, um die Aufenthaltsqualität zu stärken. Shopping muss ein Erlebnis in Kleve sein und Spaß machen.


veröffentlicht in der CLEver Business, Ausgabe 02/17