Mit 4,4 Millionen Übernachtungen ist der Niederrhein die drittstärkste Tourismusregion in NRW nach Köln und Düsseldorf. Der Kreis Kleve ist der Kreis mit den höchsten Übernachtungszahlen. Mit 660.523 Übernachtungen (Stand 31. August 2017) kann der Kreis in diesem Jahr ein Plus von 6,3 Prozent verzeichnen. Die Stadt Kleve begrüßte im Jahr 2016 rund 101.764 Übernachtungsgäste

Was zeichnet den Kreis und die Stadt Kleve aus? Die Region hat keinen Strand und keine Berge, bietet aber genau das, was viele Urlauber heute brauchen: Entschleunigung, Ruhe, viel Grün, Kunst, Kultur und eine Top-Gastronomie. Die Nähe zu den Metropolregionen spielt Kleve dabei in die Hände: In 60 Minuten erreichen Urlaubswillige aus dem Ruhrgebiet Kleve. Damit ist auch ein Kurzurlaub problemlos drin!
Noch kurz vor der Jahrtausendwende wiesen die Statistiker für den Kreis Kleve 280.000 Übernachtungen im Jahr aus. Jetzt liegt der Kreis allein in diesem Jahr schon nach acht Monaten bei 660.523 Übernachtungen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein weiteres Plus von 6,3 Prozent. Jeder Gast lässt durchschnittlich 100 Euro an Kaufkraft vor Ort. Bis Ende August spülte der Tourismus somit mehr als 66 Millionen Euro in die Kassen von Hotels, Pensionen und Restaurants.

694 Gästebetten in Kleve
Mit rund 55.000 Übernachtungsgästen (2016) ist die Stadt Kleve ein Tourismus-Magnet im Kreis. Zählt man die Hotels, Erholungs-, Ferien und Schulungsheime sowie Pensionen, Hütten und Jugendherbergen zusammen, verfügt die Stadt Kleve über 694 Betten. Dazu kommen 105 Stellplätze auf Campingplätzen sowie zahlreiche Ferienwohnungen und Privatzimmer, die nicht mit in die Statistik einfließen. Annähernd 80 % der Übernachtungsgäste kommen aus der Bundesrepublik. Es überrascht kaum, dass die meisten Gäste aus dem Ausland aus den Niederlanden (9.594 Übernachtungsgäste) und Belgien (1.876) kommen. Aber wer hätte damit gerechnet, dass 1.755 Übernachtungsgäste aus Amerika/Kanada anreisen und 1.379 Übernachtungsgäste aus dem Vereinigten Königreich? Es kann sicherlich nicht nur die Ruhe oder die Fahrt mit der Grenzland-Draisine sein, die Besucher nach Kleve lockt.  Es sind auch Kunstliebhaber und Gartenfreunde. „Wir haben jährlich zwischen 20.000 und 25.000 Besucher. Das hängt in erster Linie davon ab, ob die Ausstellungen populär oder anspruchsvoll sind, ob die Öffentlichkeitsarbeit funktioniert, ob die Angebote an Führungen, Workshops und Veranstaltungen angenommen werden”, erklärt Prof. Harald Kunde, Direktor vom Museum Kurhaus Kleve (siehe Interview rechte Seite). Die meisten Besucher kämen ab Mittag gegen 12 Uhr und verteilen sich dann zeitlich ziemlich gleichmäßig bis zur Schließung um 17 Uhr. Das Museum Kurhaus Kleve an der von prachtvollen Villen gesäumten Kurallee von Kleve stammt aus der Blütezeit als Kurstadt „Bad Cleve”. Es wurde 1845/46 bzw. 1872 in zwei Abschnitten erbaut und liegt neben dem Amphitheater aus dem 17. Jahrhundert. Seit April 1997 präsentiert das Museum Kurhaus Kleve Kunstwerke vom Mittelalter bis zur Gegenwart und positioniert sich am Kultur-Schauplatz als Kunstmuseum mit internationaler Ausrichtung. Einen neuen Höhepunkt bilden die authentischen Atelierräume von Joseph Beuys im sogenannten Friedrich-Wilhelm-Bad.
Kunstliebhaber steuern gerne auch das B.C. Koekkoek Haus an. Der niederländische Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek (1803-1862) ließ das Palais in Kleve 1847/48 als Wohn- und Atelierhaus errichten.

Gartenpracht und Schwanenburg
Ein Anlaufpunkt für Touristen sind die Grünanlagen, Historischen Gartenanlagen und Offenen Gärten im Kleverland. Die Klever Gärten mit ihrem Amphitheater am Springenberg und der Statue der Pallas Athene sind ein beliebtes Ausflugsziel. Die privaten Gartenbesitzer in Kleve und Umgebung öffnen ihre Pforten an mehreren Wochenenden zwischen April und Oktober und bieten zu einem Eintrittspreis von drei Euro Einblick in die Blüten- und Farbenpracht. Wo einst Könige jagten, treffen sich heute im Reichswald Sportfreunde und Naturliebhaber. Heute hat der Laubmischwald eine Größe von rund 5.100 Hektar und ist damit das größte zusammenhängende Waldgebiet des Niederrheins und der größte zusammenhängende öffentliche Staatsforst in Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte Februar 2017 gibt es eine Wanderkarte für den Reichswald. Bei einer Aufzählung der Klever Sehenswürdigkeiten dürfen wir natürlich das Wahrzeichen der Stadt, die Schwanenburg, nicht vergessen.

Tourismus im Winter
Es sind keineswegs nur die Sommermonate, die den Tourismus beflügeln. Im Januar 2017 meldeten die Hotelbetriebe im Kreis Kleve 43.092 Übernachtungen (Januar 2016: 37.935). „Wir haben das Thema Wintererlebnis am Niederrhein stärker in den Fokus gerückt. Das Wandern ist eines der großen Themen zur Winterszeit”, erklärt Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin der Niederrhein Tourismus GmbH. Wenn dann auch noch Wellnessanbieter entsprechende Winterpakete schnüren, kann auch in der dunklen Jahreszeit in Kleve Ruhe und Kraft getankt werden.

Touristisches Angebot ausbauen
Das touristische Angebot wird im Kreis sukzessive ausgebaut. In den letzten Jahren konnte das Angebot an Ferienwohnungen von 200 auf annähernd 450 gesteigert werden. 85 Ferienwohnungen sind sogar mit drei, vier oder fünf Sternen klassifiziert. Der Kreis Kleve ist zusammen mit den Kreisen Viersen und Wesel Gesellschafter der Niederrhein Tourismus GmbH. Ziel der Gesellschaft ist es, den Niederrhein mit seinen Kernthemen Radfahren, Natur und Kultur einer breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen, Gäste für ein Gebiet zu interessieren, das voller landschaftlicher Schönheiten und kultureller Höhepunkte ist, und die vielen Vorzüge der Region für unbeschwerte Ferientage herauszustellen.

Wirtschaftsfaktor im Rheinland
„Der Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor von erheblicher Bedeutung für Nordrhein-Westfalen. Die Branche steht jetzt vor einem großen digitalen Wandlungsprozess. Jede neue Generation von Reisenden ist noch digitaler unterwegs, als die vorhergehende. Diese Kunden erwarten eine hervorragende digitale Infrastruktur. Es muss sichergestellt werden, dass die vielen kleinen, regionalen und oft traditionsreichen Betriebe, die die Tourismusbranche in Nordrhein-Westfalen prägen, hier nicht den Anschluss verlieren”, betont NRW-Staatssekretär Christoph Dammermann. Die Zahl der Schlafgelegenheiten (Betten und Campingplätze) stieg von 2006 bis 2016 im Rheinland um 18,2 Prozent und damit überproportional zum Bund (+7,1 %) und Land (11,7 %). Auch der Incoming-Tourismus (Reisende aus dem Ausland) ist im Rheinland von hoher Bedeutung: Kommen in Deutschland etwa 18 % der Gäste aus dem Ausland, so sind es im Rheinland 27 %, in den großen Rheinlandstädten sogar bis zu 40 %. Das Gastgewerbe kam 2016 im Rheinland auf 102.825 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (+13,7 % seit 2013) und 108.175 geringfügig Beschäftigte (+3,7 % seit 2013).

Rahmenbedingungen verbessern
„Wenn es uns jetzt noch gelingen würde, alle Städte und Kreise des Niederrheins unter dem Dach der Niederrhein Tourismus GmbH zusammenzuführen und die Region aus einer Hand zu vermarkten, könnte das weiteren Auftrieb geben“, sagt Alisa Geimer, Tourismusreferentin der Niederrheinischen IHK. Die IHK-Initiative Rheinland wünscht sich von Politik und Landesregierung,  sich für bessere Rahmenbedingungen einzusetzen. „Kleine und mittlere Betriebe geraten zunehmend unter stärkeren Wettbewerbsdruck durch Konzentrationsprozesse im Tourismusgewerbe – auch die Themen Digitalisierung und Unternehmensnachfolge sind weitere Herausforderungen“, sagt Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg bei der Präsentaton des ersten Tourismusbarometers Rheinland.


veröffentlicht in der CLEver Business, Ausgabe 02/17